Während der Lesung: Helmut Junge und Werner Muth vor einem Teil der Ausstellung

Finissage der Ausstellung TIEFEN IN DER FLÄCHE von Helmut Junge

Am Freitag, 1. Dezember 2017 ging die Ausstellung TIEFEN IN DER FLÄCHE des Duisburger Künstlers Helmut Junge in den Räumen der GRÜNEN Geschäftsstelle mit einer Lesung zu Ende.

Gemeinsam mit dem Duisburger Dichter Werner Muth las er Passagen aus seinem Buch „Sandbankgeschichten“.

Werner Muth steuerte neben launigen Erzählungen noch eigene Gedichte bei. So mündete eine inspirierende Ausstellung in einem rundum gelungenen Abend.

Ein Gedicht des Abends – Werner Muths Auseinandersetzung mit dem Duisburger „Kettensägenmassaker“ nach der Streichung der Baumschutzsatzung – möchten wir mit Genehmigung des Künstlers hier veröffentlichen.

Der Wirt serviert ein wahres Wort

Vor meinem alten Lokal
Da stand einmal ein großer Baum.
Der stand so frei, war wunderschön.
Er wurde einfach abgeholzt.

Es hieß man wollte Burschen und Bäume
Zum Wohl der Bürger von der Straße holen,
Denn im Abendlicht standen Reihen von Bäumen
Wie Straßendirnen in Fellinis Filmen.
Und wer zu kurz gekommen war, der sah
Die phallischen Provokationen in ihnen,
die Kraft und den Stolz auf den geraden Wuchs,
Den manche wohl nicht ertragen konnten.
So wurde in Duisburg das Bäumefällen
Zur maßlosen Rache der Impotenten.

Ich habe mich schließlich damit abgefunden.
Das Wiener Schnitzel bleibt auf der Karte.
Keine Nürnberger Bratwurst wird zum Tagesgericht
Frankfurter Würstchen gibt’s nebenan.
Ich servier täglich das Holzfällersteak.
Als neue lokale Spezialität,
Die ihre Bezeichnung leider verdient.

Werner Muth

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