Stadtverwaltung: schwache Frauenförderung und Antidiskriminierung

Der kürzlich erschienene Gleichstellungsplan der Stadt Duisburg offenbart selbstkritisch, wie männlich dominiert die Verwaltung ist, je höher man(n) die Karriereleiter erklimmt. Die Maßnahmen zur Frauenförderung in Leitungsfunktionen greifen kaum. Zusätzlich soll Diskriminierung stärker angegangen werden. Die Grünen im Rat haben konstruktive Vorschläge zur Verbesserung.

In der Stadtverwaltung Duisburg arbeiten 62 % Frauen und 38 % Männer. Viele Mitarbeiterinnen sind in „klassischen Frauenberufen“ wie Sekretärin, Erzieherin, Reinigungskraft oder in der Küche tätig. In diesen Bereichen werden auch im Öffentlichen Dienst geringere Gehälter gezahlt. Schaut man in die höheren Besoldungsgruppen, sinkt der Frauenanteil deutlich. Zudem werden Frauen seltener verbeamtet, wodurch ihnen meist mehr Gehalt sowie eine Arbeitsplatzgarantie entgehen. Bei Fortbildungen hingegen sind die Frauen in der Überzahl, genauso wie bei der Teilzeitarbeit. Ratsfrau Dr. Nazan Şirin, Vorsitzende des Gleichstellungsausschusses, benennt die Fakten: „Nach wie vor sind hauptsächlich Frauen für die unbezahlte Care-Arbeit in den Familien zuständig, zusätzlich zu ihrem bezahlten Job. Zu wenig Betreuungsplätze für Kinder oder Pflegebedürftige in der Stadt bedeutet mehr Last für die Frauen und dadurch weniger Ressourcen für ihre Karriere. Zum Glück fühlen sich immer mehr Männer genauso zuständig für die Familie. Dennoch muss die Stadt hier für gute Bedingungen sorgen.“

Ein weiterer Aspekt des Gleichstellungsplans sind die Maßnahmen zur Diskriminierungssensibilität. Im Grundgesetz steht dazu in Artikel 3: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Als Arbeitgeberin ist die Stadt Duisburg dadurch verpflichtet, Maßnahmen gegen Benachteiligung und Diskriminierung zu ergreifen. Diese Arbeit soll zusätzlich dem Referat für Gleichberechtigung und Chancengleichheit aufgebürdet werden, das ohnehin unterbesetzt ist. Dr. Nazan Şirin moniert: „Hier wünschen wir uns definitiv eine neue Stelle mit einer in Diskriminierungssensibilität ausgebildeten Person. Diese sollte entsprechend vernetzt sein, die Fälle dokumentieren und nach klaren Vorgaben handeln können, die auch kontrolliert werden. Die Schulung sämtlicher Beschäftigten, besonders der Führungskräfte in diesem Bereich ist notwendig, um alltägliche Diskriminierung zu erkennen und dagegen vorzugehen.“

Dass die Stadtverwaltung hier ihr eigenes Problem angehen muss, ist unbestritten. Die Grünen fordern aber eine städtische Anlaufstelle für sämtliche diskriminierten Bürger*innen und deren Fragen an ausgebildete Fachleute für Gleichstellung: „Gerade in kleinen Betrieben haben Betroffene keine Lobby, keinen Betriebsrat oder ähnliches. Die Beratung und Begleitung aller benachteiligten Menschen sollte selbstverständlich für eine so große und von Diversität geprägten Stadt wie Duisburg sein“, so Dr. Nazan Şirin.

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