Wie sah dein Weg in die Politik aus?

Nach meinem Abitur in Duisburg bin ich 2009 für meinen Zivildienst in der Altenpflege und mein Studium nach Berlin gezogen – und im Wahlkreis von Hans-Christian Ströbele, dem damals einzigen direkt gewählten Grünen Bundestagsabgeordneten gelandet. Es ging bei der Bundestagswahl 2009 um Schwarz-Gelb gegen Rot-Grün, Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke gegen den Green New Deal, neoliberaler Durchmarsch gegen Solidarität. Drei Wochen vor der Wahl bin ich Mitglied geworden und hab es nicht bereut. Ich war schon vorher immer politisch interessiert, jetzt wollte ich aktiv werden. Ich habe dann einige Jahre in der Berliner Landes- und in der Bundespolitik gearbeitet, bevor ich 2014 zurück in meine Geburtsstadt Duisburg kam, um hier etwas zu bewegen.

Was treibt dich besonders an?

Meine Familie kamen mal als Arbeitsmigranten aus Polen ins Ruhrgebiet, nach Duisburg. Ich weiß, was Armut bedeutet und habe die tiefe soziale Spaltung unserer Gesellschaft hautnah erlebt. Mich treibt an, die großen sozialen Fragen unserer Zeit so anzugehen, dass der dringende ökologische Wandel ohne große gesellschaftliche Verwerfungen gelingt. Die Grünen stehen für mich für das Versprechen auf Wandel, auf Veränderung. Ich will dazu beitragen, dass wir in diesem Wandel Sicherheit schaffen.

Wozu würdest du die erste Rede im Bundestag halten?

3,5 Millionen Menschen brauchten schon vor Corona zwei Jobs, um über die Runden zu kommen. Etwa die Hälfte der Deutschen lebt ausschließlich von Lohneinkommen, nicht von Kapitalanlagen oder Erbschaften. In der Pandemie wurden bei Daimler und anderswo die Beschäftigten in Kurzarbeit geschickt, während an die Aktionäre Dividenden ausgeschüttet wurden. Kapital gewinnt, Arbeit verliert. Diese Ungerechtigkeiten sind keine Naturgesetze, wir können das ändern. Darüber möchte ich reden.

Was muss in den nächsten vier Jahren bundespolitisch angegangen werden?

In dem Bereich, den ich bearbeiten will, sehe ich vor allem vier Projekte für die nächsten vier Jahre:

Erstens: Gute Arbeit heißt: sinnstiftende Tätigkeiten, gesunde Arbeitsbedingungen und faire Löhne. Das heißt dann auch: Leiharbeit und Werkverträge zurückgedrängen und die Tarifbindung stärken. Wir brauchen jetzt schnell 12 € Mindestlohn für Alle!

Wir brauchen zweitens einen gesetzlichen Rahmen für die Arbeitswelt der Zukunft, für Arbeitsschutz und Mitbestimmung in der digitalen Transformation. Plattformökonomie darf nicht länger Synonym dafür sein, dass man von heute auf morgen auf der Straße stehen kann. Ich will ein Recht auf HomeOffice, aber HomeOffice darf nicht bedeuten, rund um die Uhr aus Kosten der Gesundheit erreichbar zu sein.

Drittens: Mehr als die Hälfte der Kinder, die heute zur Schule gehen, werden einmal in Berufen arbeiten, die es heute noch nicht gibt. In einer Welt, die sich so rasant verändert, müssen wir Arbeitsvermittlung und Weiterqualifizierung neu aufstellen – z. B. mit einem Recht auf Weiterbildung.

Und zu guter Letzt: Wir leben in einer vielfältigen Gesellschaft. Gleiche Teilhabe bedeutet auch: gleicher Zugang zu Arbeit. Wir brauchen einen diskriminierungsfreien Arbeitsmarkt, weil nicht sein kann, dass der Nachname darüber entscheidet, ob jemand zum Bewerbungsgespräch eingeladen wird oder nicht.

Wie tankst du zwischen Zoom-Konferenzen und Wahlkampf auf?

Ich bin leidenschaftlicher Koch und – vor Corona zumindest – Gastgeber. Ich habe gerne spannende Menschen um mich herum, mit denen ich über die großen Fragen unserer Zeit sprechen kann. Ansonsten liebe ich die Berge und das Meer, gehe viel spazieren, immer wieder wandern, mache Radtouren oder trainiere für den nächsten Halbmarathon. Auf meinem Nachttisch liegen immer mehrere Bücher parellel. Im Moment „Die Rettung der Arbeit“ von Lisa Herzog und „Streulicht“ von Deniz Ohde.

Was nimmst du aus Duisburg mit nach Berlin?

Die Erfahrungen meiner Familie und meines Umfelds, die hier in Duisburg verbreitete zupackende und offene Art und ein paar Bücher, die mir etwas bedeuten.


Über Felix
Mein Wahlkreis Duisburg II (116) umfasst die Bezirke Walsum, Hamborn, Meiderich/Beeck, Homberg/Ruhrort/Baerl sowie den Stadtteil Duissern des Bezirks Mitte. Ich bin in Duisburg geboren und habe mit einer Unterbrechung für Zivildienst und Studium in Berlin mein Leben hier verbracht. Ich bin seit 2009 Mitglied der GRÜNEN, war mehrere Jahre im Bundesvorstand der GRÜNEN JUGEND aktiv, habe Kommunalpolitik in Duisburg gemacht und das NRW-Büro von zwei Europaabgeordneten geleitet. Seit Januar 2018 bin ich Landesvorsitzender der NRW-GRÜNEN und da vor allem für Sozial- und Arbeitsmarktpolitik, für den ganzen Bereich Bildung und für die gesellschaftspolitischen Themen zuständig. Als Kind des Ruhrgebiets weiß ich um die großen Herausforderungen, aber ich kenne auch die Potentiale dieser Region und bin überzeugt, dass Duisburg die besten Zeiten noch vor sich hat. Ich bin verheiratet und wohne im Stadtzentrum.


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